Wenn die letzten Schwangerschaftswochen beginnen, sitzt wohl jede Frau wie auf Nadeln. Jede kleine Anspannung im Bauch und jeder Schmerz im Rücken lässt dich aufschrecken: *„Ist es so weit? Beginnt die Geburt? Soll ich die Tasche nehmen?“*.
Besonders Frauen, die zum ersten Mal Mutter werden, verwechseln Übungswehen häufig mit echten Geburtswehen. Selbst erfahrene Mütter sind sich manchmal unsicher. Diese in der Medizin als **Braxton-Hicks-Wehen** bezeichneten „Übungswehen“ bereiten deinen Körper auf den großen Tag vor. Dennoch ist es wichtig, sie von echten Wehen unterscheiden zu können – damit du nicht unnötig ins Krankenhaus fährst!
In diesem Artikel erklären wir dir, wie du die Signale deines Körpers richtig deutest und „Übungswehen“ von „echten Wehen“ unterscheidest.
## Was sind Übungswehen (Braxton-Hicks-Wehen)?
Diese Wehen treten meist im 3. Trimester der Schwangerschaft auf, manchmal auch früher. Du kannst sie dir wie ein „Training“ der Gebärmutter vorstellen. Die Gebärmuttermuskulatur zieht sich zusammen und entspannt sich wieder, um sich für den bevorstehenden Marathon zu stärken.
**Woran erkennst du Übungswehen?**
- **Sie sind unregelmäßig:** Zwischen den Wehen gibt es keine festen Zeitabstände. Eine kommt jetzt, die nächste 1 Stunde später und eine weitere vielleicht erst morgen.
- **Sie sind eher unangenehm als schmerzhaft:** Du spürst ein Spannungsgefühl oder ein Hartwerden im vorderen Bauchbereich, aber keine unerträglichen Schmerzen.
- **Sie gehen wieder vorbei:** Wenn du deine Position veränderst, dich hinlegst, umhergehst oder Wasser trinkst, hören die Wehen auf.
- **Sie werden nicht stärker:** Die Schmerzen nehmen mit der Zeit nicht zu, sondern werden schwächer.
## Wie fühlen sich echte Geburtswehen an?
Wenn die Geburt wirklich beginnt, setzt dein Körper einen Prozess in Gang, der nicht mehr aufzuhalten ist. Diese Wehen sollen den Muttermund öffnen und das Baby in den Geburtskanal schieben.
**Merkmale echter Geburtswehen:**
- **Sie sind regelmäßig:** Die Wehen kommen in gleichmäßigen Abständen wie nach der Uhr, zum Beispiel alle 10 Minuten.
- **Sie werden stärker:** Mit der Zeit werden die Wehen schmerzhafter und dauern länger – zunächst etwa 30 Sekunden, später bis zu 1 Minute.
- **Der Schmerz tritt an einer anderen Stelle auf:** Er beginnt meist **im Rücken** und zieht nach vorn in den Bauch, als würde ein fester Gürtel immer enger gezogen.
- **Sie hören nicht auf:** Egal, wie lange du dich hinlegst oder ob du duschst – die Wehen bleiben bestehen.
## „Tests“, mit denen du den Unterschied erkennen kannst
Wenn du dir noch immer nicht sicher bist, kannst du diese einfachen Tests ausprobieren:
1. **Bewegungstest:** Gehe ein wenig umher. Werden die Schmerzen beim Gehen schwächer, handelt es sich wahrscheinlich um Übungswehen. Werden sie stärker oder sind sie so intensiv, dass du kaum gehen kannst, sind es wahrscheinlich echte Wehen.
2. **Wassertest:** Trinke ein Glas Wasser. Dehydrierung, also Flüssigkeitsmangel, ist eine häufige Ursache für Übungswehen. Gehen sie nach dem Trinken vorbei, kannst du dich entspannen.
3. **Duschtest:** Dusche lauwarm, aber nicht heiß. Warmes Wasser entspannt die Muskulatur. Übungswehen verschwinden meist beim Duschen, echte Wehen halten dagegen an.
## Weitere Anzeichen dafür, dass die Geburt beginnt
Wehen treten nicht immer allein auf. Auch diese Anzeichen können darauf hindeuten, dass die „große Begegnung“ näher rückt:
- **Abgang des Schleimpfropfs:** Der Schleimpfropf, der den Muttermund schützt, löst sich. Er kann leicht blutig oder bräunlich sein. Das kann bedeuten, dass die Geburt in wenigen Tagen oder Stunden beginnt.
- **Blasensprung:** Die Fruchtblase reißt. Dabei muss das Fruchtwasser nicht wie im Film schwallartig abgehen, sondern kann auch nur langsam auslaufen. Wenn deine Fruchtblase geplatzt ist, musst du **sofort ins Krankenhaus fahren**, auch wenn du noch keine Wehen hast – es besteht Infektionsgefahr!
- **Durchfall:** Vor der Geburt schüttet der Körper Prostaglandine aus, die den Darm entleeren können.
## Wann solltest du ins Krankenhaus fahren? (5-1-1-Regel)
Wenn dein Arzt dir keine anderen Anweisungen gegeben hat, kannst du dich an der allgemein anerkannten **„5-1-1-Regel“** orientieren:
- Die Wehen kommen alle **5 Minuten**.
- Jede Wehe dauert mindestens **1 Minute**.
- Dieser Rhythmus hält seit **1 Stunde** an.
Wenn deine Wehen diesem Rhythmus folgen, ist es Zeit, deine Tasche zu nehmen und in die Geburtsklinik zu fahren!
> Hinweis: Wenn du Blutungen hast, deine Fruchtblase geplatzt ist, sich dein Baby weniger bewegt oder du dich einfach unwohl fühlst, solltest du nicht auf Wehen warten, sondern dich sofort an deinen Arzt wenden.
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Wehen können beängstigend wirken, doch eigentlich sind sie deine größten Helfer. Jede einzelne Wehe bringt dein Baby ein Stück näher zu dir. Vertraue deinem Körper – er weiß, was zu tun ist.
Verschwende keine Zeit damit, Dauer und Abstände der Wehen selbst zu berechnen. Tippe in der **Anacan-App auf den „Wehen-Timer“** (Contraction Timer). Die App hilft dir einzuschätzen, ob es sich um Übungswehen oder echte Wehen handelt und ob es Zeit ist, ins Krankenhaus zu fahren.